Lieber Hahel!
Die CCS-Technologie hat nur den Zweck, Kohlekraftwerke zu legitimieren!
Die Bundesregierung hat mit einer zweifelhaften Technologie den Weg geebnet: Die unterirdische Lagerung von CO². Das Klima wird so aber nicht gerettet. Zwar wirkt es einleuchtend: Warum sollte man CO² als einen der hauptverursacher des Klimawandels nicht aus der Abluft der Kohlekraftwerke abtrennen, in den Untergrund bringen und dort sicher lagern? Das Verfahren nennt sich CCS (Carbon Capture and Storage). Das Verfahren wird schon seit einigen Jahren durch die Energiekonzerne (mit Steuergeldern) erforscht.
Die die Technik wäre zu schön, um das Klima zu retten. Sie dient den Energiekonzernen eher als Feigenblatt für den Weiterbetrieb alter Kohlekraftwerke und die Planung zusätzlicher klimaschädlicher Kohlekraftwerke. Die Kohleverstromung ist immer wieder Argument für die Versorgungssicherheit, obwohl zahlreiche umwelt- und klimapolitische Argumente dagegen sprechen. Nach optimistischen Schätzungen wäre das Verfahren frühestens 2020 einsatzfähig. Doch schon jetzt spielt die CCS-Technik die Hauptrolle bei der politischen Durchsetzung der neu geplanten Kohlekraftwerken, weil sie die Dreckschleudern gewissermaßen reinwäscht.
Die Bundesregierung hat nun ganz schnell ein Gesetz formuliert, das \\\"Abscheidung, Transport und Ablagerung von CO²\\\" regeln soll. Es ebnet den Energieriesen den Weg für die weitere Kohleverstromung. Dabei ist CCS nicht nur riskant und teuer, sondern schafft auch neue Endlager-Probleme. Wenn man das CO² wie geplant verflüssigt und in tiefen Gesteinsschichten ohne Behälter lagert, drohen unübersehbare Risiken. Besonders ehemalige Erdgasfelder eignen sich als Endlager - diese sind aber schwierig zu erforschen. Das birgt Gefahren von Leckagen, undichte Stellen, durch die das CO² an die Erdoberfläche dringen kann. Umweltschutzverbände warnen mit Verweis auf die schlechten Erfahrungen mit den Atommüll-Endlagern Asse und Morsleben, dass Politik und Betreiber sich mit ihren Sicherheitsprognosen schon mehrfach verschätzt haben. Die Kosten trägt die Allgemeinheit. Folgekosten soll vom Staat übernommen werden. Das Gesetz nimmt die Betreiber von CO2-Endlagern nicht allzu lange in die Pflicht: Nur 20 Jahre sind die Konzerne zuständig, dann übergeht die Verantwortung auf den Staat. Die Energieproduzenten würden so die Gewinne aus der Verstromung der billigen Ressource Kohle einfahren, spätere Folgekosten für etwaige Komplikationen oder Überwachung bei der Lagerung des CO2 trägt die Allgemeinheit.
Das größte Problem von CCS ist aber, die Unwirtschaftlichkeit. Sie reduziert den sowieso nicht besonders günstigen Wirkungsgrad der Kohlekraftwerke weiter. Derzeit laufende Kohlekraftwerke mit CCS-Technik umzurüsten, hieße, teure Pipelines zu einem Endlager zu bauen oder umweltbelastende LKW-Transporte in Kauf zu nehmen. Wäre Kohle nicht so billig und würden die Konzerne nicht indirekt durch kostenlose CO2-Zertifikate subventioniert, würde sich das Ganze niemals lohnen.
Die Gefahr ist, dass die Weißwäsche der Kohle durch CCS als Argument für zusätzliche Kohlekraftwerke missbraucht wird. Wenn die Bundesregierung sich nun mit einem industriefreundlichen CCS-Gesetz zur Handlangerin für die Energiekonzerne macht, handelt sie unverantwortlich. Würde die Regierung es mit dem Klimaschutz ernst meinen, müsste sie alle Anstrengungen auf nachhaltige erneuerbare Energien fördern und Energieeffizienz vorantreiben.