Neuer Wirbel um „Dreckloch“ Asse
Breuel und Kiep vor Ausschuss?
3. September 2009 Hannover. Mit scharfer Kritik haben die Grünen im Landtag gestern auf Meldungen reagiert, nach denen die frühere CDU-Regierung 1984 versucht hat, im Atommülllager Asse auch nach dem offiziellen Einlagerungsende im Jahr 1978 noch Atommüll zu verklappen.
„Offensichtlich wollte die CDU das Dreckloch Asse trotz der bekannten Laugenzuflüsse weiter nutzen. Die Verantwortlichen müssen zu diesen Vorwürfen Stellung nehmen“, sagte Fraktionschef Stefan Wenzel. Er forderte, die seinerzeit zuständigen Minister Birgit Breuel und Walther Leisler Kiep unverzüglich als Zeugen in den Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu laden. Wenzel verlangte zudem eine Befragung der Spitzen der früheren Betreiberfirma GSF, „die für die Angabe falscher Plutoniummengen verantwortlich sind“.
Wenzel kritisierte, dass die Angaben zur eingelagerten Plutoniummenge in der ehemaligen Schachtanlage Asse weiter widersprüchlich seien. Die neuen Informationen mit dem „Verrechnungsfehler“ :laugh: stünden im Gegensatz zu alten Erklärungen. Am Wochenende war bekannt geworden, dass in der Schachtanlage Asse II rund 28 Kilogramm Plutonium lagern – rund DREIMAL so viel wie bisher angenommen.
Die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ hatte zuvor berichtet, die niedersächsische Wirtschaftsministerin Birgit Breuel (CDU) habe 1984 in einem Brief an das Bundesforschungsministerium auf Bedenken der Energieversorger verwiesen. Diese seien dagegen gewesen, schwach- und mittelradioaktive Abfälle nur noch im Schacht Konrad bei Salzgitter zu lagern. Das belaste sie mit erheblich höheren Kosten als nötig, schrieb Breuel laut Zeitungsbericht. Die Konzerne, so hieß es weiter, hielten es für sinnvoller, die Abfälle primär über die Asse zu entsorgen. Dazu Breuel: „Ich halte die Argumente der Industrie für so gewichtig, dass es dringend angezeigt ist, sich mit ihnen beschleunigt auseinanderzusetzen.“
Im ehemaligen Salzbergwerk Asse waren von 1967 bis 1978 schwach- und mittelradioaktive Abfälle eingelagert worden. Mittlerweile gilt die Anlage als einsturzgefährdet und soll geschlossen werden.
Die CDU-Landtagsfraktion kritisierte gestern „grüne Vetternwirtschaft rund um die Asse“. Fraktionsvize Karl-Heinrich Langspecht bezog sich dabei auf Medienberichte, wonach der frühere Grünen-Politiker Hans-Albert Lennartz als Geschäftsführer der Asse GmbH zwei ehemalige grüne Landtags-Mitarbeiter beauftragt haben soll, Akten fürden Untersuchungsausschuss zu bewerten.
Teilnehmer des Anti-Atom-Trecks nach Berlin haben unterdessen kurzzeitig das Gelände des Atommülllagers Asse blockiert. Traktoren versperrten die Zufahrtsstraße, rund 20 Demonstranten kletterten auf den Förderturm. Die Protestaktion sei nach etwa 20 Minuten beendet worden, berichtete das Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS).