Liebe Leserinnen und Leser,
nicht ausreichend gewürdigt wurden die vielen kleinen Aktionen von attac, Greenpeace, Robin Wood und anderen. Dazu gehörten Fahrraddemos, Infostände, Flugblattverteilaktionen und anderes.
Hervorgehoben werden muss auf jeden Fall die Aktion \\\"Tschüss Vattenfall\\\". Bei dieser Aktion wurde gezielt versucht die Stromkunden zum Umstieg auf Ökostrom zu bewegen. Mehr als 250 000 Menschen wechselten den Stromanbieter. Aber im konkreten Fall KoKW Moorburg blieb auch diese Aktion erfolglos. In Berlin - auch Vattenfall-Gebiet - wird ja nun wenigsten kein KoKW gebaut. Aber dort gibt es mit der Rot-roten Koalition auch andere politische Voraussetzungen als mit schwarz-grün, wie in Hamburg.
http://www.hamburg-steigt-um.de/Offensichtlich schert Vattenfall der Verlust von so vielen Kunden kaum. Sehr viel wichtiger sind für den Konzern die Großkunden. Dazu zählen in Hamburg die Alumiumwerke (jetzt Trimet Aluminium) und die Norddeutsche Affinerie. Die Gewerkschaft der Affineriearbeiter organisierte Demos für den Bau des Kohlekraftwerks.
http://www.abendblatt.de/hamburg/article529903/Der-Kampf-um-Moorburg-Demo-und-Drohungen-Jobs-retten-Aufruetteln-Wort-halten.htmlDa allein die Allumiumwerke ein Drittel des gesamten gewerblichen Stromverbrauchs Hamburgs verursachen ist klar, dass Vattenfall eher auf Tausende Privatkunden verzichten kann, als auf einen Großkunden wie die Aluminiumwerke, die zwar reichlich Rabatt bekommt - was letztlich vom Privatkunden bezahlt wird - die aber eben einen ganz anderen Verbrauch haben.
Die Moral aus der Gechicht lässt sich auch nicht in einen Satz fassen. Wie bereits erwähnt, denke ich, dass die provinzielle Haltung der Anwohner, der Umweltverbände und des übrigen Widerstands mit dazu beigetragen hat. Der Widerstand konnte nicht stark genug werden, da die Hamburger Widerständler alleine nicht zahlreich genug waren und auch nicht genügend Menschen auf die Straße bringen konnten.
Dazu beigetragen hat - aus meiner Sicht - auch die Tatsache, dass viele Organisationen - allen voran Greenpeace - sich als recht bündnisunfähig erwiesen. So wurde z.B. im Greenpeace Magazin kaum über die Kohleproblematik geschrieben und die Hamburger Greenpeace Gruppe steckte ihre Kraft auch lieber in eigenen kleine Aktionen, die dann aber noch weniger wahrgenommen wurden wie die gemeinsamen Proteste.
Davon schließe ich ausdrücklich die Teilnehmer des Klimacamps aus, die aus der \\\"ganzen Welt\\\" angereist waren um den Kampf zu führen. Die reservierte Haltung der Hamburger (Umweltverbände), den Campern gegenüber, und eine massive Pressekampagne gegen die Camper machten diese letzte Chance? gegen das Kohlekraftwerk Moorburg zunichte. Die dann etwas tausend Demonstranten hatten dann natürlich keine realistische Chance den Bauplatz zu besetzen.
Der Eintritt der Grünen in die Koalition mit der CDU entzog dem Bündnis nicht nur viel Kraft - denn ein Teil der Aktivitäten stützte sich auf die Grünen - sondern enttäuschte auch so massiv die Bündnisteilnehmer, dass dies zur völligen Lähmung der Protestbewegung führte.
Mein Resümee ist daher, dass sich der Protest nicht auf Parteien stützen darf und dass er gemeinsam und überregional geführt werden muss um erfolgreich zu sein.Mit freundlichen Grüßen
Udo Schuldt